Digitale Assistenzsysteme zur Unterstützung der Alltagsbewältigung: Erste Erfahrungen mit Telepräsenzrobotik in der häuslichen Schlaganfallversorgung
- 1Institut für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung, Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Regensburg, Postfach 12 03 27, 93025 Regensburg, Deutschland
Abstract
Hintergrund: Digitale Assistenzsysteme können Menschen mit Unterstützungsbedarf im Alltag begleiten, indem sie Informationen bereitstellen, Therapien unterstützen oder Kommunikation und soziale Teilhabe ermöglichen. Telepräsenzrobotik (TPR) umfasst physische, mobil im häuslichen Umfeld einsetzbare Systeme, die in der Versorgungspraxis bislang kaum etabliert sind. Ziel der Studie war es, Erwartungen, Erfahrungen und Akzeptanz von Schlaganfallpatient*innen, Angehörigen sowie Pflege- und Therapiepersonal gegenüber TPR zu untersuchen.
Methoden: Vor (t1) und nach (t2) einer 24-wöchigen Testphase mit 2 TPR-Geräten (Feldphase 2021–2023) wurden Patient*innen und Angehörige standardisiert befragt (t1: 48 bzw. 53; t2: 39 bzw. 50). An einer Querschnittbefragung nahmen 31 Fachpersonen teil. Die Auswertung erfolgte mittels deskriptiver und bivariater Statistik. Ergänzend wurden persönliche Gespräche mit Patient*innen und Angehörigen mittels strukturierender Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Ergebnisse: Die anfänglich hohen Erwartungen an TPR hinsichtlich Selbstständigkeit, Sicherheit, Kommunikation und Entlastung der Angehörigen im Alltag konnten häufig nicht erfüllt werden. Keines der Systeme wurde als überzeugender Alltagshelfer wahrgenommen. Autonome Mobilität und Sprachassistenz erwiesen sich als eingeschränkt hilfreich. Die einfache und flexible Tablet-Lösung wurde gegenüber TPR präferiert.
Diskussion: TPR kann grundsätzlich die ambulante Versorgung unterstützen, ist jedoch aktuell noch nicht ausreichend an die Bedürfnisse der Patient*innen und häuslichen Bedingungen angepasst. Technische Einschränkungen, die Abhängigkeit von Angehörigen und die höhere Akzeptanz einfacherer Lösungen zeigen den Weiterentwicklungsbedarf für eine breitere Implementierung assistiver Systeme.
BibTeX
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title = {{Digitale Assistenzsysteme zur Unterstützung der Alltagsbewältigung: Erste Erfahrungen mit Telepräsenzrobotik in der häuslichen Schlaganfallversorgung}},
author = {Sonja Haug and Karsten Weber and Edda Currle},
journal = {Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz},
year = {2026},
month = sep,
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RIS
TY - JOUR
TI - Digitale Assistenzsysteme zur Unterstützung der Alltagsbewältigung: Erste Erfahrungen mit Telepräsenzrobotik in der häuslichen Schlaganfallversorgung
AU - Sonja Haug
AU - Karsten Weber
AU - Edda Currle
PY - 2026
DA - 2026/09/16
JO - Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz
DO - 10.1007/s00103-026-04295-7
UR - https://doi.org/10.1007/s00103-026-04295-7
AB - Hintergrund: Digitale Assistenzsysteme können Menschen mit Unterstützungsbedarf im Alltag begleiten, indem sie Informationen bereitstellen, Therapien unterstützen oder Kommunikation und soziale Teilhabe ermöglichen. Telepräsenzrobotik (TPR) umfasst physische, mobil im häuslichen Umfeld einsetzbare Systeme, die in der Versorgungspraxis bislang kaum etabliert sind. Ziel der Studie war es, Erwartungen, Erfahrungen und Akzeptanz von Schlaganfallpatient*innen, Angehörigen sowie Pflege- und Therapiepersonal gegenüber TPR zu untersuchen. Methoden: Vor (t1) und nach (t2) einer 24-wöchigen Testphase mit 2 TPR-Geräten (Feldphase 2021–2023) wurden Patient*innen und Angehörige standardisiert befragt (t1: 48 bzw. 53; t2: 39 bzw. 50). An einer Querschnittbefragung nahmen 31 Fachpersonen teil. Die Auswertung erfolgte mittels deskriptiver und bivariater Statistik. Ergänzend wurden persönliche Gespräche mit Patient*innen und Angehörigen mittels strukturierender Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Ergebnisse: Die anfänglich hohen Erwartungen an TPR hinsichtlich Selbstständigkeit, Sicherheit, Kommunikation und Entlastung der Angehörigen im Alltag konnten häufig nicht erfüllt werden. Keines der Systeme wurde als überzeugender Alltagshelfer wahrgenommen. Autonome Mobilität und Sprachassistenz erwiesen sich als eingeschränkt hilfreich. Die einfache und flexible Tablet-Lösung wurde gegenüber TPR präferiert. Diskussion: TPR kann grundsätzlich die ambulante Versorgung unterstützen, ist jedoch aktuell noch nicht ausreichend an die Bedürfnisse der Patient*innen und häuslichen Bedingungen angepasst. Technische Einschränkungen, die Abhängigkeit von Angehörigen und die höhere Akzeptanz einfacherer Lösungen zeigen den Weiterentwicklungsbedarf für eine breitere Implementierung assistiver Systeme.
SN - 1436-9990
SN - 1437-1588
ER -