Körperliche Aktivität und psychische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter: Zusammenfassung der Evidenz aus 3 nationalen Studien
- 1Zentrum für Psychosoziale Medizin, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik, Forschungssektion „Child Public Health“, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
- 2Institut für Sport und Sportwissenschaft, Karlsruher Institut für Technologie, Karlsruhe, Deutschland
- 3Institut für Bewegungserziehung und Sport, Pädagogische Hochschule Karlsruhe, Karlsruhe, Deutschland
Abstract
Heranwachsende fühlen sich durch globale Krisen zunehmend belastet. Körperliche Aktivität (KA) gilt als bedeutsamer Baustein für die mentale Gesundheit, jedoch fehlt für Deutschland eine integrierte Zusammenschau bevölkerungsbasierter Evidenz. Ziel dieser narrativen Übersicht ist es daher, aktuelle Befunde zum Zusammenhang zwischen KA und psychischer Gesundheit zusammenzuführen.
Grundlage bilden 3 bevölkerungsbezogene Studien, welche als Modul- bzw. Anschlussstudien in Kooperation der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) durchgeführt wurden: die Motorik-Modulstudie (MoMo), die BEfragung zum seeLischen WohLbefinden und VerhAlten (BELLA), die Child Outcomes in PSYchology (COPSY)-Studie sowie die COMO-Studie (COPSY + MoMo, interdisziplinäre Verknüpfung). Untersucht wurden bundesweit repräsentative Stichproben von Kindern und Jugendlichen im Alter von 4–23 Jahren unter Einsatz validierter Instrumente zur Erfassung von KA und psychischer Gesundheit. Die Ergebnisse werden narrativ zusammengeführt und differenziert nach Aktivitätsform, Alter, Geschlecht und sozialem Status berichtet.
Es zeigen sich positive Zusammenhänge zwischen KA und psychischer Gesundheit. Höhere Aktivität geht mit geringeren psychischen Auffälligkeiten und höherer gesundheitsbezogener Lebensqualität einher. Besonders für Sport in der Freizeit im Verein und außerhalb des Vereins zeigen sich Hinweise auf protektive Effekte. Selbstberichtete KA weist stärkere Zusammenhänge mit Wohlbefinden auf als KA, die gerätegestützt erfasst wurde. Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien sind seltener aktiv und stärker belastet. Als weitere zentrale psychosoziale Faktoren erweisen sich die soziale Einbindung sowie das Kompetenzerleben im Sport. KA kann eine wichtige Ressource zur Förderung der psychischen Gesundheit darstellen. Es zeigt sich die Notwendigkeit, niederschwellige Bewegungsangebote zu fördern, die insbesondere benachteiligte Gruppen erreichen, um gesundheitliche Ungleichheiten abzubauen.
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TI - Körperliche Aktivität und psychische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter: Zusammenfassung der Evidenz aus 3 nationalen Studien
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AB - Heranwachsende fühlen sich durch globale Krisen zunehmend belastet. Körperliche Aktivität (KA) gilt als bedeutsamer Baustein für die mentale Gesundheit, jedoch fehlt für Deutschland eine integrierte Zusammenschau bevölkerungsbasierter Evidenz. Ziel dieser narrativen Übersicht ist es daher, aktuelle Befunde zum Zusammenhang zwischen KA und psychischer Gesundheit zusammenzuführen. Grundlage bilden 3 bevölkerungsbezogene Studien, welche als Modul- bzw. Anschlussstudien in Kooperation der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) durchgeführt wurden: die Motorik-Modulstudie (MoMo), die BEfragung zum seeLischen WohLbefinden und VerhAlten (BELLA), die Child Outcomes in PSYchology (COPSY)-Studie sowie die COMO-Studie (COPSY + MoMo, interdisziplinäre Verknüpfung). Untersucht wurden bundesweit repräsentative Stichproben von Kindern und Jugendlichen im Alter von 4–23 Jahren unter Einsatz validierter Instrumente zur Erfassung von KA und psychischer Gesundheit. Die Ergebnisse werden narrativ zusammengeführt und differenziert nach Aktivitätsform, Alter, Geschlecht und sozialem Status berichtet. Es zeigen sich positive Zusammenhänge zwischen KA und psychischer Gesundheit. Höhere Aktivität geht mit geringeren psychischen Auffälligkeiten und höherer gesundheitsbezogener Lebensqualität einher. Besonders für Sport in der Freizeit im Verein und außerhalb des Vereins zeigen sich Hinweise auf protektive Effekte. Selbstberichtete KA weist stärkere Zusammenhänge mit Wohlbefinden auf als KA, die gerätegestützt erfasst wurde. Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien sind seltener aktiv und stärker belastet. Als weitere zentrale psychosoziale Faktoren erweisen sich die soziale Einbindung sowie das Kompetenzerleben im Sport. KA kann eine wichtige Ressource zur Förderung der psychischen Gesundheit darstellen. Es zeigt sich die Notwendigkeit, niederschwellige Bewegungsangebote zu fördern, die insbesondere benachteiligte Gruppen erreichen, um gesundheitliche Ungleichheiten abzubauen.
SN - 1436-9990
SN - 1437-1588
ER -